Sabrina G., 26 Jahre, Kinder-, Jugend- & Familienhilfe

Im Grunde ist es, als würde man eine Großfamilie managen.

Sabrina G. - 30 Jahre - Kinder-, Jugend- & Familienhilfe

Abschluss: Abitur Studium: Erziehungswissenschaften (Bachelor of Arts)

Was bist du für ein Typ?

Zum Ausgleich zu meiner Arbeit schalte ich gerne ab, indem ich lese, Fern sehe, alte Möbel verschönere oder Joggen gehe. Außerdem ist mir ein naher Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden sehr wichtig.

Ehrlichkeit, Toleranz und Zuverlässigkeit gehören für mich zu den bedeutendsten Eigenschaften. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Frei nach dem Motto "Ganz oder gar nicht!".

Beschreibe deinen Arbeitsalltag!

Meine Kollegen und ich arbeiten im Schichtdienst. Die Schicht beginnt um 12 Uhr Mittags und ist um 13 Uhr am nächsten Tag zu ende. In unserer Gruppe wohnen 8 Kinder im Alter von 2-13 Jahren. Im Grunde ist es, als würde man eine Großfamilie managen. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Hausaufgaben kontrollieren, die Kinder zum Arzt oder zur Therapie bringen sind alltägliche Aufgaben. Man feiert gemeinsam Geburtstag und Weihnachten und vereinbart Besuchskontakte mit den Eltern. Immer wieder muss Streit geschlichtet werden. Ich muss jeden Tag versuchen zu erkennen, was die Kinder brauchen und mein Bestes tun, um es ihnen zu geben. Sei es durch ein Gespräch, eine Umarmung, eine Geschichte oder auch durch Konsequenzen.

Was ist das Gute an deinem Job?

Am meisten gefällt mir an meinem Job, dass kein Tag wie der andere ist. Die Arbeit mit den Kindern verlangt einem viel ab, aber man bekommt von ihnen sehr viel zurück. Es sind immer kleine Schritte, die man mit ihnen zusammen geht. Jeder Schritt erfordert viel Arbeit, aber er ist es wert!

Erzähle uns von einem eindrucksvollen Erlebnis in deinem Job!

Was mich bisher am meisten beeindruckt hat, war nur ein kurzer Moment. Ein sechsjähriges Kind war erst seit zwei Monaten in unserer Gruppe. In den zwei Monaten hat es sich gegen alles gesträubt. Das Kind wollte nicht bei uns sein, ließ keine Nähe zu und sagte sogar, es möchte nicht lachen, weil es das nicht mögen würde. Als ich Feierabend hatte und mich von den Kindern verabschiedete, sprang das Kind auf meine Arme, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte lächelnd: "Bis morgen, Sabrina!"

Dein erster Tag! Kannst du dich erinnern?

Mein allererster Tag in dem Job war furchtbar! Leider ist ein Studium an der Uni nicht gerade praxisbezogen und daher kann man nur auf wenige Erfahrungswerte zurückgreifen. Und auf einmal hat man die Verantwortung für einen Haufen Kinder, die dich kennen lernen und deine Grenzen austesten wollen. Ich kannte die Umgebung nicht, wusste noch nichts über die Hintergründe und Verhaltensweisen der Kinder und noch nicht einmal wo der Besen steht. Es ist alles schief gegangen, was schief gehen konnte. Aber ich habe es geschafft. In der ersten Zeit habe ich nicht nur etwas über die Kinder, sondern auch viel über mich gelernt.

Was sind deine beruflichen Ziele?

Ich würde gerne bald eine Fort- oder Weiterbildung machen, die ich in meinen Job einbringen kann. Besonders interessiert mich die "Tiergestützte Pädagogik" und die "Erlebnispädagogik". So könnte ich intensiver und effektiver mit den Kindern arbeiten. In einigen Jahren könnte ich mir auch vorstellen mich für die Stelle einer Gruppenleitung zu bewerben. Doch vorerst ist mir wichtig meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und mich mit meinen persönlichen Fähigkeiten ins Team einzubringen.

Berufsbilder & Bereiche der Erziehungshilfe